Turniertagebuch von Kim Höller
Dienstag 24.07.2007
Ich konnte die letzte Nacht kaum schlafen – was mich in Herford wohl
alles erwarten würde? Vera war vor zwei Jahren zum ersten Mal bei den
German Friendships und hat nur Schönes erzählt. Die Hufenstuhls sind fьr
die nächsten Tage meine Ersatzfamilie, aber Vera ist ja eh schon wie
meine Schwester. Beim Abschied im Stall fühlten wir uns wie kleine
Stars...
Nach dreistündiger Anfahrt entdeckte
ich plötzlich das erste Schild mit der Aufschrift „German Friendships
2007“, und nur wenige Meter danach sah ich die ersten bunten Fahnen im
Wind wehen. Flaggen aus aller Welt, Lkw, viele Autos, große Zelte. Aber
noch beeindruckender waren die Menschen, so viele verschiedene Leute aus
der ganzen Welt. Erst fühlte ich mich wie in einem Traum – langsam
realisierte ich, dass es ernst war.
Schnell sprang ich aus dem LKW, um unsere Pferde und die Klamotten in
die Boxen zu bringen. Zum ersten Briefing im Festzelt
saßen schon Menschenmengen gespannt vor dem Turnier Team, das uns sofort
super nett begrьßte. Mitten darunter ein Mann, der sehr auffiel. Er
stellte sich als „Pedro“ vor und trug einen seltsamen Hut wie ein Huhn.
Ich wartete schon eine gefühlte
Ewigkeit, endlich meinen Partner kennen zu lernen. Als „Kim Höller“
durch die Lautsprecher klang, war es soweit: Er heißt Ahmed Mansour,
kommt aus Jordanien und machte auf Anhieb einen coolen Eindruck. Obwohl
wir nur Englisch mit einander reden konnten, haben wir uns auf Anhieb
gut verstanden. Beim ersten Training am Nachmittag lernten die
internationalen Gastreiter erst einmal die neuen Pferde kennen. Es war
toll, wir freuten uns beide auf den nächsten Tag. Morgen ist noch mehr
los!
Mittwoch 25.07.2008
Chiara, Vera und ich haben nicht viel
geschlafen, wir waren viel zu aufgeregt. Trotzdem waren wir heute Morgen
topfit beim Top Ten Training. Ahmed und ich hatten Unterricht bei Lars
Meyer zu Bexten und das war echt geil! Vera war ein paar Stunden später
dran und zwar mit Otto Becker. Alles lief wie
geschmiert!
Später haben Ahmed, Carlino und ich uns zusammengesetzt, um den Profis
wie Marcus Ehning und Co. bei der Champions Trophy zuzugucken. Sonst
sieht man die ja nur im Fernsehen! Der Abend dann, mit der
Eröffnungsparty, war richtig lustig.
Donnerstag 26.07.2008
Im Warm Up für die Kinder und Junioren
habe ich mich heute noch mal darauf konzentriert, die letzten Feinheiten
zu verbessern. Und dann kam das Highlight: Wir sind mit einem
Kutschenkorso zum Herforder Rathaus gefahren. Vorne zwei Kutschen und
dahinter drei große Busse voll mit Menschen in Anzügen, Blusen oder
sogar Kleidern, die zum offiziellen Empfang der Stadt Herford unterwegs
waren. Und zwischen all diesen Menschen waren wir – eine Gruppe von
Kindern und
Jugendlichen. Zwischen Kameras und wichtig aussehenden Leuten hindurch
ging es zu einem weiteren gemeinsamen Erlebnis. Es war total schön, ein
starkes Gefühl, das alle zusammen hält.
Später ging es zum Barbecue mit allen
Reitern, Gasteltern und Freuden. Bis in die spßten Abendstunden saßen
wir mit Ahmed und ein paar Indern an einem Tisch. Wir redeten in einem
Mix aus allen Sprachen. Einfach toll, aber jetzt bin ich froh, dass ich
noch ein
bisschen schlafen kann. Morgen um 7:30 schellt wieder der Wecker!
Freitag 27.07.2008
Heute war der erste Tag, an dem wirklich das Ergebnis zählte. Meine
ganze Familie war gekommen. Schon früh im Stall flochten wir die Pferde
ein und haben alles fertig gemacht. Um 13:00 Uhr begann unser "Auftritt"
– unter den Augen von einigen hundert Zuschauern, doch fьr mich sah es
aus wie Millionen. Alles hat wunderbar geklappt, sogar besser als
gedacht. Ahmed und ich, aber auch Vera und ihre Partnerin Elif waren
sehr zufrieden. Bei der Springprüfung nach Strafpunkten und Zeit mussten
wir über 1,10 Meter reiten und wir vier blieben alle fehlerlos. Das
wurde erst einmal gefeiert!
Außerdem stand heute noch der
Aufmarsch der Nationen auf dem Programm. Viele
Leute hatten sich bunte Flaggen auf den Wangen gemalt und riesige Fahnen
in der Hand. Deutschland lief als letzte Nation auf, dadurch stieg die
Spannung und ich hatte richtig Gänsehaut. Ich hatte das Gefühl, die Welt
ist ganz klein und auf einem gemeinsamen Fleck!
Samstag 28.07.2008
Heute habe ich mich für ein Mannschaftsspringen mit einem neu
zusammengestellten Team qualifiziert und wir haben Silber geholt. Das
war echt cool! Davor sind Ahmed und ich noch unser Teamspringen
geritten. Jedes Team hatte den Namen von einem berühmen Pferd – wir
hieЯen „Goldfever“. Vera und Elif haben gewonnen und wie das bei den
German Frindships nun einmal so ist ... Siege müssen gefeiert werden.
Deswegen machen wir uns gleich für die Party schick. Und was gab’s sonst
noch? Eigentlich war es wie jeden Tag: Pferde versorgen, zusammen die
Springen anschauen ... und ganz viel SpaЯ haben. Aber es war wie jeden
Tag einfach unvergesslich.
Sonntag 29.07.2008
Um 7:30 Uhr klingelte heute der blöde
Wecker – und das nach der großen Party! Mama hat uns zum Bexter Hof
gebracht, denn die Zeit war heute kostbar. Es war die letzte Zeit
gemeinsam mit unseren Partnern, bevor alle wieder in die weite Welt nach
Hause fuhren. Beim Finale der ChildrenTour verging die Zeit wie im Flug.
„Goldfever“ erklang es durch den Lautsprecher, wir ritten los. Das
Ergebnis war zwar nicht so wie erhofft, aber trotzdem war keiner
enttäuscht, denn allen war klar: Hier haben alle gewonnen eine Menge
Freunde und auch eine Menge Erfahrungen. Ganz nach dem Motto „Friendship
no Championship“.
Das Ende kam immer nдher, die Zeit raste. Erst die
Siegerehrung, dann die Abschlusszeremonie. Schließlich folgten die
schlimmsten Minuten. Wir mussten uns von allen verabschieden. Es flossen
sogar Tränen. Eigentlich würden wir noch gerne einige Zeit zusammen
verbringen. Letzte Abschiedsfotos wurden geknipst, Erinnerungen und
Geschenke ausgetauscht. Dann haben wir mit schönen, unvergesslichen
Erinnerungen den Hof verlassen – mit einem traurigen, aber auch mit
einem fröhlichen Auge. Einerseits waren wir traurig, dass alles vorbei
war, andererseits freuten wir uns jetzt schon auf den Tag, an dem wir
uns alle wiedersehen würden. Ich werde alle sehr vermissen und diese
Tage in meinem Leben nicht mehr vergessen!